Start der zweiten Projektstufe

Erster Praxistag im Teaching Lab im Max-Planck-Institut für Hirnforschung am Science Campus Riedberg

Heute ist der letzte Tag der hessischen Herbstferien. Sechs Schülerinnen aus dem Liebiggymnasium Frankfurt und der Main-Taunus-Schule Hofheim hält das aber nicht ab, im Max-Planck-Institut für Hirnforschung am Science Campus Riedberg einen Praxistag im Bereich Grundlagenforschung durchzuführen. Dieser Tag ist Teil des von der Landesstiftung "Miteinander in Hessen" geförderten Pilotprojekts von Du denkst Zukunft! zum Thema Morbus Alzheimer.

Vor den Schulferien haben die Schülerinnen an der ersten Projektstufe von Du denkst Zukunft! teilgenommen: einem web-basierten Projekttag. Dieser Tag fand in Frankfurt und Hofheim direkt in der Schule statt. Wissenschaftliche Theorien, Studien, Interviews, Texte, Filme und Statistiken halfen dabei, die Bedeutung und die Reichweite von Alzheimer eigenständig zu erarbeiten. Das Interesse am Thema war dabei erstaunlich positiv. Auf den Evaluationsbögen zum Projekttag begrüßte jeder zweite Teilnehmer die Themenwahl. Das Thema sei zwar bekannt, aber nicht das Ausmaß, die wissenschaftlichen Theorien oder die gesellschaftlichen Herausforde-rungen.

Um an dem Praxistag teilzunehmen, mussten die leistungsbereiten Schülerinnen einen Aufsatz schreiben. Die Quellenangaben der Aufsätze zeigen, dass die Schüle-rinnen sich mit dem Thema auch außerhalb der Schule weiter auseinandergesetzt haben. Und nun ist es soweit. Dr. Arjan Vink, Koordinator des Teaching Lab, gibt eine kurze Einführung in die Struktur der Max-Planck-Gesellschaft und die Ge-schichte des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung. Besonderes Interesse erhält er, als er über die aktuelle Forschung am Institut spricht. Danach geht es ins erst Ende 2013 eröffnete Teaching Lab. Dieses Lernlabor wurde von Spenden der Fördernden Mitglieder der Max-Planck-Gesellschaft unterstützt und befindet sich im Neubau des Instituts am Science Campus Riedberg. Hier können Schüler, Studenten und Dokto-randen experimentieren und in der Praxis erleben, wie Grundlagenforschung ausse-hen kann. Auch Tabea Leinweber, die Bio-LK-Leiterin an der Main-Taunus-Schule mischt sich unter Ihre Schülerinnen. Heute nicht als Lehrerin, sondern als Teilneh-merin.

Das Teaching Lab erzeugt Erstaunen bei den Schülerinnen. Das hochmodern aus-gestattete Labor ist nicht mit den Schullaboren zu vergleichen. Bevor es losgeht mit den Experimenten erhalten die Schülerinnen eine kurze Einweisung und müssen zunächst das Pipettieren von Kleinstmengen üben. Was bei Susanne tom Dieck, Senior Scientist im MPI für Hirnforschung, einfach aussieht, erfordert bei den Schü-lerinnen höchste Konzentration.

Beatriz Alvarez-Castelao, Postdoc am MPI, betreut den Versuch DNA sichtbar zu machen. Sie betreut jeweils nur zwei bis drei Schülerinnen. So kann jede Teilnehme-rin den Versuch selbst durchführen und Raum für Fragen ist auch vorhanden. Für das Experiment werden die ausgewählten Zellen durch chemische und physikalische Einflüsse aufgebrochen. Anschließend werden größere Zellbestandteile, wie z.B. die Zellwand mittels Filtration entfernt. Um die DNA mit bloßem Auge sichtbar zu machen, wird es in Ethanol "gefällt", d.h. unlöslich gemacht. Die Schülerinnen sind mit Eifer dabei und Stolz, dass der Versuch so gut geklappt hat.

Die Mittagspause nutzen die Schülerinnen ausgiebig, um Fragen zu stellen. Die Neugierde scheint grenzenlos. Auch die Anfangsschwierigkeiten sich in englischer Sprache auszutauschen verschwinden zunehmend.
Am Nachmittag geht es im Labor weiter. Unter Anleitung von Dewi Husainie, Dokto-randin im MPI für Hirnforschung, werden ausgewählte Zellbestandteile sichtbar ge-macht. So auch das Zytoskelett und Synapsen. Die Schülerinnen erinnern sich so-fort. Das Zytoskelett ist bei Alzheimer in seiner Funktion beeinträchtigt und die Sig-nalübertragung am synaptischen Spalt gestört. Schematische Zeichnungen und Abbildung der Zellen haben Luisa L. und Jessica B. (Main-Taunus-Schule, Hofheim) schon gesehen, aber wie es nun wirklich unter dem Fluoreszenz-Mikroskop aussieht überrascht die beiden. Auch dass der Weg dorthin viele kleine Schritte notwendig macht und viel Geduld sowie Geschick erfordert, hätten Sie nicht erwartet.

Am Mikroskop  präparieren Julia K. und Nadja I. (Liebigschule, Frankfurt) unter Anleitung einen kleinen Teil vom Hippocampus der Ratte. Dieses Hirnareal ist unter anderem für Lernen und Gedächtnis zuständig.

Die jungen Frauen verstehen sich und haben Freude daran, im Labor zu stehen, Pipetten zu bedienen und durch Mikroskope zu schauen. Die Schülerinnen bedanken sich zum Ausklang herzlichst bei den Wissenschaftlern, die sie so geduldig den Tag über begleitet haben. Auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter des MPI freuen sich über so viel Interesse und Begeisterung. Dr. Vink weiß: "Wir freuen uns sehr auf neue Besucher des Teaching Lab, weil wir es als sehr wichtig betrachten, qualifizier-ten Nachwuchs zu erhalten. Deswegen öffnet das MPI das Teaching Lab auch für engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Du denkst Zukunft!“.