Du denkst Zukunft! erstmals im Kreis Darmstadt-Dieburg aktiv. Vorstand zieht positive Zwischenbilanz

Drei Schulen, 90 Schüler und positive Resonanz auf ein Thema: Morbus Alzheimer. Anhand des komplexen und gesellschaftlich bedeutenden Themas wurde durch den von der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ geförderten web-basierten Projekttag aufgezeigt, wie fachübergreifender Unterricht aussehen kann und Grenzen zwischen Biologie, Ethik, Politik-Wissenschaft und Englisch verschwinden.Alzheimer Projekttag des Biologie Leistungskurses Q3 der Main-Taunus-Schule in Hofheim - Eindrücke von Jette Hirtz

Groß-Umstadt, 12. November 2014 – Alex und Martin begrüßen die Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums Groß-Umstadt via Kurzfilm und enden ihren ersten Einsatz mit dem Aufruf: „Los geht’s. Denk Zukunft!“. Der Name des Projekts Du denkst Zukunft! benennt, worum es inhaltlich geht:  um Themen, die permanent an Bedeutung gewinnen und bereits heute aktiv angepackt werden müssen!

Heute führt nicht Frau Ohl, die Biologie-Lehrerin, den Leistungskurs durch den Tag, sondern eine Online-Plattform. Bereits nach wenigen Minuten Lachen: Auf der Plattform ist ein  Socken zu sehen, der über den rechten Schuh gezogen ist. Linker und rechter Schuh gehören zu verschiedenen Paaren.  Darunter steht: „Das ist eine meine Welt.“ Das Lachen ist verstummt. Vielmehr dominieren nun ernste Fragen  den Raum. Warum hat der Mensch das gemacht? Warum sagt ihm das keiner? Warum hat man ihm nicht geholfen? Ist er krank?

Nach der filmischen Einführung in die Symptomatik, gängige Theorien und einen Blick in ein Alten- und Pflegeheim teilen sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen auf, um die Demenzform Alzheimer aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Das Interesse an der Arbeitsgruppe Naturwissenschaft und Medizin ist am größten. Aber auch für den Bereich Diagnose, Therapie und Prävention sowie Person, Ethik und Ökonomie finden sich Interessierte.
Bis sich die Gruppen organisiert und ihre Aufgaben verteilt haben, vergehen einige Minuten. Es ist ungewohnt für die Schülerinnen und Schüler, sich komplett eigenständig zu organisieren. Frau Ohl beobachtet die Situation aufmerksam, aber ein Eingreifen ist nicht erforderlich.

In der naturwissenschaftlichen Gruppe ist Erstaunen darüber zu vernehmen, dass es keine Heilung für Alzheimer gibt. In der Gruppe Diagnose ist die Überraschung groß, dass der definitive Nachweis für Alzheimer nur post mortem, also nach dem Tod, erfolgen kann. Zu Lebzeiten ist es eine Ausschlussdiagnose sprich, wenn für die Symptomatik keine andere medizinische Ursache gefunden werden kann, dann muss es Alzheimer sein.
Die dritte Gruppe liest unter anderem ein Interview von David Sieveking, dem Regisseur vom Film „Vergiss mein Nicht“. „Es ist schön, dass man nicht nur negative, sondern auch ein positives Beispiel im Umgang mit Menschen, die an Alzheimer leiden, erhält.", kommentiert Josephine H. Dass ein positiver Umgang mit betroffenen Menschen im Alltag oft schwer ist, wissen die Schülerinnen und Schüler durch eine Kooperation ihres Gymnasiums mit der Senioreneinrichtung Haus Weinbergblick ein paar Häuser weiter.

Am Ende des Tages, nachdem sich alle ihre Ergebnisse gegenseitig vorgestellt haben, sind sich alle einig: Alzheimer ist ein wichtiges Thema mit einer hohen Komplexität, vielen verschiedenen Meinungen und großen Erwartungen. Die Herausforderungen, die durch den demographischen Wandel zu meistern sind, können nur im Miteinander angegangen werden kann. Wie dabei Jugendliche unterstützen können wird lebhaft diskutiert. Die Ideen reichen von ehrenamtlichen Tätigkeiten bis hin zur aktiven Unterstützung im Kreis betroffener Familien.

Wie interessiert die Schülerinnen und Schüler das Thema aufnehmen, begeistert auch Prof. Arnim Lühken im Vorstand des Vereins Du denkst Zukunft!. „Auch wenn wir innerhalb eines Tages nicht alle Aspekte des Themas ansprechen können, so ist es ein Anfang mit Jugendlichen über dieses Thema zu sprechen, das ansonsten gegenüber jungen Menschen eher tabuiert wird“, so Lühken. Ziel des Projekts sei es schließlich, die Schülerinnen und Schüler zu interessieren und zu motiveren selber aktiv zu werden. Aber auch, dass das Projekt als solches so gut von den jungen Menschen  und dem Lehrpersonal angenommen wird, freut den Vorstand sehr. So haben von den bisher knapp 90 Teilnehmern bereits 7 an den Praxistagen teilgenommen, und die Nachfrage nach weiteren web-basierten Projekttagen gleicher Machart ist vorhanden.