Projekttagebuch

"Es ist sehr wichtig auch schon die jüngere Generation mit diesem Thema zu sensibilisieren" - ein Schülerinnenbericht

Projekttag an der Kurt-Schumacher-Schule in Karben - Eindrücke von M. Steinmetz

Am 27. Januar 2016 haben die Biologieleistungskurse der Q3 von Herrn Ess und Herrn Meller an der Kurt-Schumacher-Schule an einem Onlineprojekttag zu dem Thema Alzheimer von der Projektgruppe "Du denkst Zukunft" teilgenommen.

An diesem Projekttag sollte die Krankheit Alzheimer nicht nur aus biologisch-medizinischer Perspektive beleuchtet werden. Auch die Auswirkungen von Alzheimer auf die Gesellschaft wurde den Schülerinnen und Schülern nähergebracht.

Mit diesem Bild hat die Einführung begonnen. Nach ein paar Minuten wurden die ersten Eindrücke der Schülerinnen und Schüler gesammelt und besprochen. Dieses Bild verdeutlicht, wie beschwerlich der Alltag der Alzheimerpatienten sein kann. Die einfachsten Alltagstätigkeiten (wie das Anziehen von Kleidung, hier: Schuhe und Socken) sind für Alzheimerpatienten oftmals nicht mehr zu bewältigen. Mit dem Slogan "Das ist eine Welt" soll verdeutlicht werden, dass man Alzheimerpatienten in der Gesellschaft nicht ausschließen, sondern integrieren soll.

Einen weiteren ersten Eindruck von der Alzheimer-Symptomatik erhalten die Schülerinnen und Schüler in Form des Kurzfilms "Lisa". In diesem Film dokumentiert ein Mädchen namens Lisa den Krankheitsverlauf ihrer Mutter, die an Alzheimer erkrankt ist. Anfangs hat Lisas Mutter zwei Mal zu Mittag gekocht, dann wusste sie nicht mehr wie man Wäsche aufhängt und legte diese einfach auf ein Auto. Zuletzt erkannte sie nicht einmal mehr ihre eigene Tochter. Dieser Film veranschaulicht zum einen den Krankheitsverlauf und die unterschiedlichen Krankheitsstadien von Alzheimer. Zum anderen wird hier deutlich, dass Demenzkranke ab einem gewissen Stadium selbst gar nicht mehr unter der Krankheit leiden, da sie ihre Alzheimer-Diagnose vergessen haben und ihren Zustand nicht richtig wahrnehmen können. Viel schwieriger ist es in diesem Fall für das nahe Umfeld/ Verwandte/ Familie, die (wie Lisa) irgendwann nicht mehr von der eigenen Mutter erkannt werden.

Nach der Einführung folgte eine Begriffserläuterung zu Demenz und Alzheimer. Wie den meisten Menschen war auch den Schülerinnen und Schülern der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz nicht bewusst, da beide Begriffe im Alltag oft schwammig verwendet werden. Mit Demenz wird ein Krankheitsbild beschrieben, das mit dem Verlust geistiger Funktionen wie dem Denken, dem Erinnern oder der Orientierung einhergeht. Je nach Stadium der Erkrankung kann dies zu Einschränkungen im Alltag führen. Alzheimer ist eine spezielle Form einer Demenzerkrankung. Neben weiteren Formen der Demenzerkrankung ist Alzheimer die häufigste Form und deswegen auch am bekanntesten.

Nach der kurzen Begriffserläuterung lesen drei Schüler einen Text mit verteilten Rollen im Plenum vor. Bei diesem Text handelt es sich um ein Gespräch zwischen Alois Alzheimer (der Entdecker und Namensgeber von Alzheimer) und Auguste Deter (eine Demenzerkrankte und Patientin von Alois Alzheimer). Auguste Deter erweckte Alois Aufmerksamkeit, da sie schon in ungewöhnlich frühem Alter unter Demenz litt. In dem Gespräch wird die völlige Orientierungslosigkeit Auguste Deters deutlich. Sie kann auf die meisten Fragen Alois Alzheimers nicht oder nur undeutlich antworten. So kann sie sich beispielsweise nicht mehr an ihren Ehemann und ihre gesamte Vergangenheit erinnern. Nach ihrem Tod obduzierte Alois Alzheimer Auguste Deters Gehirn und stellte auffällige Veränderungen der Hirnstruktur fest. In einem Auszug von Alois Aufzeichnungen wird von einer Verkümmerung der Hirnstruktur sowie von zerfallenen Nervenzellen berichtet. Aus den Beobachtungen von Alois Alzheimer wurden Merkmale identifiziert, die für Alzheimer auch heute noch charakteristisch sind.

Nach diesem kurzen Impuls zu den Neurowissenschaften und der Medizin wird Alzheimer in Verbindung zum demographischen Wandel dargestellt. Generell steigt die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, mit zunehmendem Lebensalter. Während die Wahrscheinlichkeit mit 65 Jahren noch bei 1,2% liegt, so liegt sie im Alter von 85-89 Jahren schon bei 23,9%. Aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft nimmt auch die Anzahl an Demenzkranken deutlich zu, was diese Prognose sehr gut verdeutlicht:

Laut Statistik gab es im Jahr 2008 ungefähr 275.000 Demenzkranke in Deutschland. Für das Jahr 2050 werden 700.000 Demenzkranke prognostiziert. Diese Zahlen sind sehr erschreckend und sollen den Schülerinnen und Schülern neben den neurowissenschaftlichen Aspekten auch die gesellschaftlichen Aspekte vor Augen halten.

In einem auf der Plattform veröffentlichten Interview mit einem Alzheimer-Aktivist aus den USA, werden den Schülerinnen und Schülern die Gefühle und Herausforderungen aus der Sicht eines Alzheimerkranken nahegebracht. Richard Taylor befindet sich in einem noch frühen Stadium von Alzheimer. Er berichtet von Arbeitskollegen und Freunden die nach der Bekanntgabe seiner Krankheit den Kontakt nach und nach gemieden haben. Außerdem erzählt er von seiner anfänglichen Ohnmacht, als ihm die Alzheimer-Diagnose gestellt wurde. Für ihn war und ist es sehr schwer mit seinem Schicksal umzugehen und zu wissen, bald nicht mehr für seine Familie dasein zu können und alles aus seinem früheren Leben zu vergessen. Viele Alzheimerpatienten fallen in den ersten Stadien der Krankheit (in welchem sie sich ihres Schicksals noch bewusst sind) in eine Depression und sind auf Medikamente wie Anti-Depressiva angewiesen. Alzheimer ist nicht heilbar. Man kann mit Therapien, die das Gedächtnis anregen sollen, den Prozess ein wenig verlangsamen aber nicht aufhalten. Für Patienten in einem fortgeschrittenen Stadium werden oft Mal- oder Bastelkurse angeboten um den Patienten sozialen und gesellschaftlichen Umgang zu bieten.

Nach den drei Impulsen zu Neurowissenschaften, Medizin/Diagnose und Gesellschaft werden die Schülerinnen und Schüler in drei Kleingruppen aufgeteilt. Jede Kleingruppe befasst sich nun differenzierter mit einem der drei Impulse. Die Schülerinnen und Schüler erhalten dazu die notwendigen Materialien und bereiten eine kurze Präsentation vor, die sie anschließend im Plenum vorstellen sollen. Nach circa eineinhalb Stunden werden die Präsentationen gehalten und die Erkenntnisse der Gruppen zusammengetragen.

Zum Ende des Projekttages wird noch ein Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm gezeigt. Hier wurde der Alltag einer Alzheimerpatientin in einem Pflegeheim dokumentiert. Nochmals wird den Schülerinnen und Schülern bewusst, dass Alzheimerpatienten permanent auf Hilfe angewiesen sind, da sie sich selbst in ihrer Umgebung kaum noch zurechtfinden können. Außerdem erfährt man in dem Film von der älteren Patientin, dass sie sich sehr einsam fühlt, da sie kaum besucht wird. Damit wird deutlich, dass man Alzheimerpatienten in die Gesellschaft integrieren muss und sie nicht vergessen darf, auch wenn die Patienten selbst ihre eigene Familie vergessen haben.

Abschließend kann man von einem sehr informativen Projekttag sprechen. Die Kombination von neurowissenschaftlichen sowie gesellschaftlichen Inhalten ist dabei sehr gelungen. Es ist sehr wichtig auch schon die jüngere Generation mit diesem Thema zu sensibilisieren, da im Alltag kaum ausreichende Aufklärung erfolgt und Alzheimer auch aufgrund des demographischen Wandels in der Zukunft von Bedeutung sein wird.

Mara Steinmetz