Projekttagebuch

Grundlagenforschung hautnah

Ein Projekttag am Max-Planck-Institut für Hirnforschung

Dienstag 17.01.2017, 7:50 Treffpunkt Groß-Karben Bahnhof. Der Biologie Leistungskurs von Frau Wenke macht sich auf zum Max-Planck-Institut für Hirnforschung am Frankfurter Riedberg.
Unsere Lehrerin hat sich wieder einmal darum bemüht, es uns zu ermöglichen, bei einem Projekttag biologische Untersuchungsmethoden in der Praxis beobachten und erleben zu können. Da diese im Unterricht ja meist nur in der Theorie besprochen werden, blickte ich mit Vorfreude und voller Spannung auf das, was uns erwarten würde.
Endlich am Institut angekommen, bekamen wir zunächst einen kleinen Vortrag von Herrn Dr. Arjan Vink über das Institut und dessen Geschichte. Danach konnten wir uns in jeweils zwei von vier möglichen Arbeitsgruppen einwählen: DNA-Isolierung, Färbexperimente, Mikroskopiermethoden und Optogenetik.
Ich habe mich für die DNA-Isolierung und Optogenetik entschieden, deswegen werde ich auch nur von diesen beiden Gruppen meine persönlichen Eindrücke schildern. Jedoch möchte ich hier ein besonderes Augenmerk auf die Optogenetik legen, da ich dieses Thema als das weitaus spannendere erachte. DNA aus Kiwis zu isolieren, ist an sich ein schönes Experiment, jedoch hatten wir dies schon einmal im Unterricht gemacht, die Methode war für uns nicht neu. Mir gefiel dennoch, dass nicht nur einfach stupide eine Anleitung abgearbeitet wurde, sondern der Leiter, in diesem Fall auch Herr Dr. Vink, uns immer wieder mit Fragen klargemacht hat, was die einzelnen Schritte bewirken. Dabei hatten wir die Möglichkeit, den Umgang mit uns unbekannten Laborgerätschaften wie z.B. dem Büchner-Kolben kennen zu lernen.
Als wir dann mit der ersten Gruppe fertig waren und mit der isolierten Kiwi-DNA in der Tasche zurück zum Konferenzraum geführt wurden, um eine Einführung in die Thematik der Optogenetik zu hören, wuchs meine Spannung. Konnte ich mir unter dem Begriff Optogenetik bisher ja noch nicht viel vorstellen.
Ich fand es sehr interessant, etwas über einen neuen Forschungsansatz zu erfahren, an dem Wissenschaftler zurzeit arbeiten. War es bei den bisherigen Projekttagen, die wir besucht haben, doch meistens so, dass nur Sachverhalte, die Im Unterricht schon besprochen waren, veranschaulicht wurden. Nicht, dass das grundsätzlich schlecht wäre, es war nur eine willkommene Abwechslung nun einmal etwas vollkommen Neues zu erfahren. Ich war wirklich erstaunt, was in der Biologie bereits alles möglich ist. Die Erbinformation von Neuronen so zu verändern, dass die Zellen eigenständig Proteinstrukturen in ihre Membranen einbauen, welche sich dann durch Licht aktiviert wie Ionenkanäle öffnen, zeigt ja, was heutzutage alles möglich ist. Gerade, dass man sich diesen Mechanismus von einer Algenart abgeschaut hat, fand ich besonders faszinierend. Dies zeigt, wie selbst die Erforschung von für uns nahezu unscheinbaren Lebewesen helfen kann, komplexe Strukturen wie das Gehirn etwas besser zu verstehen. Nach einem kleinen Vortrag über das Thema durften wir sogar beobachten, wie eine Maus für die Experimente präpariert wurde. Dazu wurde ihr ein Implantat in den Schädel gesetzt, mit dem es den Forschern möglich ist, durch Lichtimpulse die Proteinstrukturen anzuregen. Anschließend bekamen wir noch eine Führung durch die Arbeitsräume, wo wir einige der Forscher bei ihrer Arbeit beobachten konnten. Auch ein Patch-Clamp-Gerät konnten wir uns anschauen, was wir bisher ja auch nur aus unseren Büchern kannten.
Das Fazit nach dem Tag am Max Planck Institut fällt für mich durchwegs positiv aus. Ich denke, es ist ein guter Ansatz, mit den Schülern nicht nur didaktische Modellversuche durchzuführen, sondern ihnen auch einen kleinen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit des Instituts zu ermöglichen. Gerade für uns Schüler, die es in Erwägung ziehen, später einmal einen Job in der Biologie auszuüben, ist das ein echter Mehrwert. In diesem Punkt sehe ich auch das größte Alleinstellungsmerkmal, verglichen mit den Projekttagen, die wir bisher besucht haben.